Ein Drittel Mithaftung bei falsch genutzter Radwegseite

(OLG Hamm, Urteil vom 04.08.2017, Az. 9 U 173/16)

Entscheidung:

Das Oberlandesgericht Hamm hatte über die Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche einer Radfahrerin zu urteilen. Die Geschädigte befuhr einen Fahrradweg entgegen der vorgegebenen Fahrtrichtung und kollidierte mit einem wartepflichtigen Pkw. Hierbei zog sie sich schwerste Verletzungen zu, unter anderem auch am Kopf. Einen Fahrradhelm trug die Radfahrerin nicht.

Während das Landgericht Essen in der ersten Instanz nur eine Mithaftung von 20 % angenommen hatte, entschied das Berufungsgericht zu Ungunsten der Radfahrerin und nahm eine Mithaftung von einem Drittel an. Dass die Geschädigte bei dem Sturz keinen Helm trug, hatte dagegen keine haftungsrechtlichen Auswirkungen auf die geltend gemachten Ansprüche.

Obwohl das gegenständliche Urteil die Radfahrer verstärkt in die Pflicht nimmt, führt es eindrücklich die erhöhten Anforderungen an den Autofahrer im Straßenverkehr vor Augen. Diesen trifft aufgrund der erhöhten Betriebsgefahr selbst dann das überwiegende Verschulden, wenn es zum Unfall mit einem Radfahrer kommt, der seinerseits einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) begeht.

 

Ulrich Lewandowski

Anwalt für Zivilrecht